In einer Facebook-Gruppe nimmst du nicht ab!

Ich bin der Administrator einer ständig wachsenden Facebook-Gruppe zum Thema Abnehmen.

Hier ist meine Gruppe: https://www.facebook.com/groups/1473123506247887/

Das, in Zusammenhang mit dem Titel dieses Artikels mag komisch klingen, aber lass mich erklären.

Was ist das Problem mit Facebook-Gruppen?

Die Anonymität online und das Fehlen echter sozialer Konsequenzen bei Auseinandersetzungen auf Facebook holt nicht aus jedem Menschen den englischen Gentleman heraus.

Oft werden Dinge gesagt, die man vielleicht in Person nicht so raushauen würde. Das und einige andere Punkte halte ich für das Hauptproblem von Facebook-Gruppen, wenn der Maßstab nun tatsächlicher Abnehmerfolg ist.

Problem 1: Jeder kann posten

Es ist das typische Demokratie-Problem. Wenn alle reden dürfen ist das zwar fair, aber echt blöd, wenn die lautesten Stimmen plötzlich nur Müll von sich geben (Hey Donald, ich schaue nur unauffällig!)

Und es ist fast unweigerlich so, dass sich in solchen Gruppen immer wieder Abnehm-Donald-Trumps finden, die Erfahrungen unter die Leute bringen wollen, die oft leider einfach irreführend oder sogar falsch sind.

Besonders kritisch wird es, wenn solche Leute dann auch noch mit Intelligenz gepaart sind, weil sie sich dann zwar gut ausdrücken und mit perfekter Rechtschreibung glänzen und sogar einige gute Argumente vorlegen – aber das macht das ganze nur umso schlimmer, wenn die dahinterliegende Idee einfach falsch oder zumindest irreführend und nicht hilfreich ist.

Wie so oft ist auch im Abnehmen nicht alles schwarz und weiß und manche Themen spielen sich so tief in der Psychologie ab, dass es egal ist, ob Brockoli nun mehr Kalorien hat oder Rosenkohl.

Ich bin als Administrator natürlich auch nicht in Allwissenheit gebadet, aber ich achte auf 2 Dinge, wenn ich Ratschläge poste und entscheide, ob ich andere Beiträge aus der Gruppe lösche:

  1. Ist der Fokus des Beitrages wirklich „Wie kann ich dieser Person am Besten helfen“? Oder ist es vielleicht eher: Wie kann ich schlau wirken? Wie kann ich meinen Punkt verteidigen? Wie kann ich etwas sagen, dass möglichst viele Likes bekommt?
  2. Ich sage eigentlich nie etwas Dogmatisches oder Definitives. Wenn Menschen die Worte „nie“ oder „immer“ oder „alles“ benutzen, schrillen bei mir direkt Alarmglocken. Keiner hat schon ALLES probiert, um abzunehmen. Denn dann wär die Person schlank! Und nicht JEDER, der sagt er hat ein Schilddrüsenproblem sagt das nur als gelogene Ausrede, um nicht abzunehmen. Die Welt ist nicht schwarz und weiß.

Problem 2: Diskussionen werden persönlich und unsachlich

Und wenn dann einmal eine inhaltliche Auseinandersetzung startet (was an sich sehr sehr gut ist, weil beide Seiten davon lernen könnten), dann kommen schnell Worte rausgerutscht, die persönlich werden.

Und in wenigen Momenten geht die wichtige Frage eines Mitglieds in einer persönlichen Auseinandersetzung anderer Mitglieder unter. Sowas macht mich sauer und ich verstehe nicht, wie man so ignorant gegenüber der Person mit der Frage sein kann.

Zu großes Ego tut wenigen Dingen gut und einer Facebook-Gruppe ganz bestimmt nicht.

Problem 3: Jeder ist Experte

Ich denke oft kommen Leute in Facebook-Gruppen für Ratschläge. Genaugenommen, weiß ich sogar, dass es für meine Gruppe der Fall ist. Ich frage beim Eintritt in die Gruppe, was sich die neuen Mitglieder in der Gruppe erhoffen und neben Motivation, Rezepten und Gleichgesinnten ist Tipps und Ratschläge der nächste Punkt.

Nun ist es so, dass zu vielen Themen viele eine sehr starke Meinung oder persönliche Erfahrung haben. Und diese Erfahrung wird dann oft als generalisierter Ratschlag für alle verwendet. Und manchmal basiert dieser Rat auf Denkfehlern und anderen bösen Dingen.

Dann kommt ein anderes Mitglied mit einer anderen Erfahrung und liefert eben so augenscheinlich gute Argumente. Und da haben wir das Dilemma.

Das neue Mitglied ist schon verwirrt und hat dasselbe Problem des Internets selbst – zu viele und vor allem sich widersprechende Infos.

Problem 4: Die Gruppen repräsentieren ein großes Problem beim Abnehmen selbst

Ein großer Grund warum Diäten scheitern ist das Wechseln zwischen verschiedenen „Methoden“ oder Diäten. Du startest mit Kalorienzählen, hörst dann aber, dass du auf keinen Fall, NIEMALS (Na, erkennst du wieder das dogmatische „niemals“?) etwas wie Chips oder Kuchen essen darfst, es sei denn, es ist vegan.

Also probierst du es mit vegan und merkst nach 2 Wochen: Ohne Fleisch geht nicht. Also mal schauen, Low-Carb klingt gut und viele haben tolle Erfolge damit. Also fängst du an mit Low-Carb und genießt wieder ein tolles Steak. Aber dein Lieblingsessen, die Bratkartoffeln sind nun tabu!

Nach 3 Wochen bekommst du auf der Familienfeier Heißhunger und vernichtest einen kompletten vollen Teller Bratartoffeln. Du fühlst dich super schuldig und brichst erstmal die Diät ab – der Tag war ja eh schon gelaufen und du hast ja nun eh schon „alles“ probiert.

Und du stehst wieder am Anfang und dir hat immernoch keiner verraten, dass du einfach mit dem Kalorienzählen hättest weitermachen können. Und dass du vielleicht einfach darauf achtest, gute Lebensmittel zu essen und nur hier und da mal etwas „ungesundes“.

Siehst du, wie jemand Monate, Jahre oder sogar für immer in diesem Dilemma steckt, nur weil er das Problem nicht erkennt und in einer Abnehmgruppe auf Facebook ist?

Problem 5: Selbstmitleid und Negativität suchen Gesellschaft

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich nun schon beobachtet habe, wie Menschen in die Gruppe kommen, um einfach Negativität rauszulassen. „Ich schaffe es nie“, „Das klappt doch eh nicht“ und Aussagen wie diese.

Reaktionen sind dann oft sowas wie „Ach ja, in Schichtarbeit ist es schon nicht einfach. Ich kenne das, bei mir ist das genau das gleiche!“. Und schon haben wir ein schönes bequemes Bettchen für Beklagen über die eigene Situation anstatt eine Gruppe, die Ergebnisse bringt.

Ich persönlich bin der festen Auffassung, dass es immer das richtige Mindset ist, die Verantwortung zu übernehmen und zu sagen: Das ist meine Schuld. Nicht in dem Sinne, dass du dich schlecht fühlst und dir tatsächlich die Schuld für etwas gibst.. Sondern viel mehr als Einstellung, die dazu führt, dass du es einfach nicht als Ausrede hinnimmst, was immer gerade das Problem ist.

Negativität ist nie der richtige Weg und negative Menschen saugen unsere Energie und gesellen sich mit anderen negativen Menschen und erschaffen schon fast ein schwarzes Loch von schlechter Energie.

Kein Platz dafür in meiner Gruppe. Von Selbstmitleid wird man nur schwer abnehmen, denke ich.

Warum bin ich trotzdem guten Gewissens Administrator einer Gruppe?

Nun, das war eine Menge Bashing und könnte dir das Gefühl geben, diese Gruppen sind der letzte Mist und ich ein komischer Typ, weil ich kein Administrator sein sollte, wenn ich das alles so blöd finde.

Grund 1: Es gibt viele, die es verstehen und lernen

Ich glaube, dass die meisten, die es in der Gruppe nicht verstehen, es auch außerhalb der Gruppe oft nicht verstehen. Und hin und wieder kommt es einfach dazu, dass Menschen ein AHA-Erlebnis haben, weil sie einen Kommentar lesen, der Sinn macht. Oder eine neue Meinung hören, die gut argumentiert und richtig und hilfreich ist.

Es gibt viele, die lernen und Fortschritte machen und das ist doch das Ziel dieser Gruppe, zumindest für mich. Und wenn ich eine Person sehe, die sagt: „Puh, so habe ich das aber noch nicht betrachtet!“, dann hat sich in meinen Augen der Aufwand bereits gelohnt.

Grund 2: Die Posts sind kontrolliert

Ich bin zwar nicht Tag und Nacht online, aber in aller Regel habe ich ein Auge darauf, welche Beiträge gepostet werden und welche Kommentare gesetzt werden. Wenn Diskussionen aus dem Ruder laufen, schreite ich ein oder lösche auch einfach mal die komplette Diskussion, damit einfach Leute nicht aufs Glatteis geführt werden.

Insofern ist meine Gruppe eine nicht komplett demokratische, aber das ist auch gut so, denn ich lasse nicht jeden alles sagen, weil es einfach nicht zum Ziel führt, was ich für diese Gruppe habe. Und das ist, dass die Mitglieder es schaffen, abzunehmen.

Wie müsste die eine Gruppe dann sein?

Ich persönlich denke, es gibt verschiedene Arten von Gruppen, für verschiedene Arten von Motivationen. Manche suchen Rezepte, andere Motivation, andere echten Rat und Infos.

Ich halte es für das richtige, nach Ergebnissen zu suchen. Und wer das tut, ist sicher am Besten beraten in einer Gruppe, die eine Richtung geschlossen verfolgt. Das sollte natürlich eine Richtung sein, der du vertraust und die für dich die Richtige ist. Aber ein ständiges herumzerren an deiner eigenen Meinung durch neue und neue Posts und Kommentare ist einfach nicht zweckdienlich, wenn du abnehmen willst.

Wenn du jedoch nur ein wenig Mitleid und Streicheleinheiten suchst, dann ist das perfekt für dich. Poste, was dein Problem ist und du wirst garantiert Leute finden, die sagen „Ja stimmt!“.

Bleibt am Ende nur die Frage: Was willst du erreichen?

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